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Let’s talk about Resilienz (1)

Resilienz – was ist das eigentlich und ist das wichtig?

Das Thema Resilienz ist in den letzten Jahren immer mehr zu einem Trendthema geworden und das, meines Erachtens, auch zurecht. Ich glaube nicht, dass Resilienz ein Wundermittel auf dem Weg der Selbstoptimierung ist. Ich glaube aber schon, dass Resilienz für ein gutes Leben notwendig ist und damit meine ich nicht nur Resilienz als Fähigkeit, sondern überhaupt schon das Bewusstsein dafür.

Vielleicht hast du dich schon mal gefragt, was Resilienz eigentlich bedeutet. Vielleicht hast du auch deine ganz persönliche Definition gefunden. Falls ja, bin ich gespannt davon zu hören. Die Art und Weise, wie wir Dinge erklären und beschreiben, sagt viel über uns selbst und unser Verständnis vom Leben aus. Wir öffnen damit eine Tür und ich bin immer neugierig durch neue Türen zu gehen.

Aber wie erkläre ich Resilienz am liebsten?

Für mich ist das Leben wie ein Meer. Und wie jedes Meer ist auch das Meer des Lebens sehr vielseitig, abwechslungsreich und unberechenbar. Manchmal, da ist alles ruhig, die Wellen sind sanft, die Sonne scheint und du kannst dich einfach treiben lassen. Das Wasser um dich herum glitzert im Sonnenschein und du bist zufrieden. Hier und jetzt ist alles gut. Und dann gibt es Momente, da stürmt das Meer, der Wind tobt und scheinbar riesige Wellen brechen auf dich ein. Dann weißt du vielleicht garnicht, wie du den Kopf noch über Wasser halten sollst. Tja, und dazwischen gibt es noch unendlich viele Formen und Beschaffenheiten des Meeres. Eins ist aber klar, die Wellen des Lebens, sie kommen und gehen. Und wir haben nur begrenzt Einfluss da drauf. Genau an dem Punkt setzt für mich Resilienz an. Es geht nicht darum gegen die Wellen zu kämpfen, sie zu beeinflussen oder kontrollieren zu können. Das ist nicht wirklich möglich. Vielmehr geht es darum auf den Wellen surfen zu können, sich nicht von ihnen unter Wasser ziehen zu lassen und wenn doch, nur für einen Moment, um dann stärker denn je wieder aufzutauchen. Vielleicht hast du den Satz „Im Flow mit den Wellen des Lebens.“ schon hier auf meiner Website gelesen und genau das ist es letztendlich: Eine Haltung, eine Lebensphilosophie, eine Fähigkeit und innere Kraft, die dich durch dein Leben trägt.

Es empfiehlt sich, gerade wenn du dich damit noch weiter beschäftigen möchtest, dass du dir eine Definition, die dich besonders anspricht, aussuchst. Warum könnte das hilfreich sein? Ganz einfach, es gibt nicht den einen Weg der Resilienz, kein Resilienz-Rezept und keine Antworten, die zu uns allen passen. Jeder Mensch ist anders, jedes Leben ist anders. Die Person, die ich heute bin, bin ich morgen schon nicht mehr. Und es kann sein, dass ich mich heute besonders resilient fühle, aber in wenigen Wochen vielleicht schon nicht mehr so. Das ist nicht schlimm, das ist einfach das Leben. Mir hilft es jedoch mich selbst immer wieder zu beobachten und dabei zu verstehen, was in mir und meinem Leben gerade passiert. Und oft weiß ich dann einfach, was vielleicht die Gründe sind, die meine Resilienz schwächen. Dann kann ich das akzeptieren und möglicherweise daran arbeiten. Resilienz fängt also immer wieder bei einem selbst an. Daher kann ich nur raten, schau, dass du für dich eine Erklärung oder eine Metapher findest, die dich berührt und dadurch motiviert. Bei mir sind es, wie gesagt, das Meer und seine Wellen.

Welche weiteren Erklärungen oder Beschreibungen von Resilienz werden im Allgemeinen verwendet?

  • Resilienz ist unsere psychische Widerstandskraft.
  • Resilienz ist die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen und mit den unerwarteten Ereignissen im Leben umgehen zu können.
  • Resilienz ist ein Mindset mit dem du eine Krise als Chance siehst und im besten Fall gestärkt aus ihr herauszutreten kannst.
  • Resilienz ist das Immunsystem der Seele. (Mein Favorit.)

Allen Erklärungen ist ein gemeinsam: Es geht nicht darum, dass unsere Leben krisenfrei sind oder bleiben, sondern vielmehr um die Art und Weise, wie wir diese Krisen meistern, wie schnell wir aus ihnen wieder herauskommen und welchen Einfluss sie auf uns längerfristig haben.

Die Beschreibung Immunsystem der Seele finde ich wunderbar. Sie macht die Selbstverständlichkeit und Bedeutung von Resilienz in wenig Worten deutlich. Denn ist es für uns alle nicht normal, dass wir unser Immunsystem schützen oder stärken wollen? Natürlich denken wir da im ersten Moment an des Immunsystem unseres Körpers, aber ist es wirklich so komisch oder überraschend, dass unsere Seele oder Innenleben – wie auch immer du es nennen magst – ein Immunsystem hat, auf das wir aufpassen sollten? Ich finde nicht. Mich motiviert es den Blick nach innen zu richten, zu fragen, was dort passiert und gebraucht wird, um mir dann Zeit für mich und meine Seele zu nehmen. Mein Leben hat mir schon oft gelehrt, was passiert, wenn ich das nicht tue.

Kann ich Resilienz trainieren? Die Frage wird oft gestellt. Und ja, das kannst du. Resilienz ist also nicht etwas, was du hast oder nicht hast, sondern eine Fähigkeit, die von inneren und äußeren Faktoren, sogenannten Schutzfaktoren, beeinflusst wird. Das ist wichtig zu wissen, denn Resilienz hat man nicht einfach irgendwann erreicht. Es ist (1) immer ein Prozess und (2) eine konstante Aufgabe. Lass dich davon nicht abschrecken oder demotivieren, sondern betrachte diese Aufgabe als ein Geschenk von dir an dich selbst. Und glaube mir, schon dieser eine Gedanke wird deine Resilienz stärken. Wie genau du deine Resilienz stärken kannst, werde ich im nächsten Teil dieser Reihe schildern.

Für 2022 habe ich mir mein ganz persönliches Mantra definiert. Also einen Satz gefunden, der mich immer wieder daran erinnern soll, was mir wichtig ist. Ein kleiner Anker im Alltag. Ohne wirklich bewusst darüber nachzudenken, war plötzlich dieser Satz da: Ich lass die Welle zu und bin zugleich der Ozean. Tja, da war es wieder – das Meer meines Lebens.